Lost in Granada
Lost in Granada

Lost in Granada

Der Höhepunkt unserer bisherigen Reise war nun eindeutig Granada und die Sierra Nevada und wir waren so begeistert davon, was wir alles in nur 3 Tagen gesehen und erlebt haben, dass wir alle Fotos und Handys – oder vielmehr Akkus – leerfotografiert haben. Für die Sortierung der Bilder brauchen wir vermutlich ne Auszeit 🙂

Übrigens standen wir ca. 7 km vor Granada nun erstmals auf einem Stellplatz für den wir bezahlt haben und der auch abgeschlossen war. Es ist doch schon um einiges entspannter, wenn man fix und fertig nach einem Fußmarsch zum Bus zurückkehrt und auch sicher sein kann, dass das Auto noch da ist – und in unserem Fall darin auch unsere Instrumente.

Weil wir ja so Sparfüchse sind (aber auch wegen Corona J ) wollten wir keine öffentlichen Verkehrsmittel nutzen und sind per pedes in die Stadt marschiert. Ja – das war dann schon mal ein 2stündiger zünftiger Marsch nur bis zum Stadtrand. Herr Google hat uns den Weg gezeigt und wir sind ihm auch brav gefolgt. Das Wetter war extremst sonnig und wir staunten nicht schlecht, als wir auf einmal auf einer vor Hitze flirrenden Schnellstraße standen, die wir überqueren und auch noch 1 km entlanggehen sollten, um endlich ins gelobte Granada zu kommen. So arg lustig war es nicht, auf dem ca. 20 cm breiten Standstreifen entlangzubalancieren und wir kamen schon mal total schweißüberströmt am Rande der Stadt an –aber immerhin! Für den Tag hatten wir uns vorgenommen, alles von der Stadt anzusehen, außer der Alhambra –die wollten wir in Ruhe am nächsten Tag besuchen. Also hatschten wir ohne Pause weiter – logisch ohne Kopfbedeckung …

Sicherlich könnt ihr euch vorstellen, dass es viele Kilometer waren, die wir an diesem Tag zurückgelegt haben (wir denken so um die 30 km herum). Wir sind also die ganze Stadt abgelaufen und haben auch mehrfach die engen Gassen des Albaizin erklommen – des Wohnviertels direkt gegenüber der Alhambra. Hammerschön, hammerwarm und hammerweit.

Irgendwann wars genug und brennenden Fußes haben wir uns zu einem kühlenden Bier in einer Bar unterhalb der Alhambra niedergelassen. Am liebsten hätte ich die Füße reingehalten. Aber solch Frevel würde vermutlich auch außerhalb Bayerns auf Unverständnis stoßen.

Plötzlich waren wir wieder fit und das zweite Bier fühlte sich schon eher wie Urlaub an. Übrigens bekommt man hier in Andalusien richtig große Tapas zum Getränk, was uns dann beflügelt hat, noch ein weiteres Bierchen zu bestellen. „Herr lass Hirn regnen“, sag ich nur. Logisch spürten wir sowohl den Alkohol, als auch plötzlich unsere Füße und müden Knochen wieder, als wir dann endlich – kurz vor Einbruch der Dunkelheit – aufstanden, um den „Heimweg“ anzutreten. Der gute alte Herr Google war sofort zur Stelle und hat uns einen anderen Weg vorgeschlagen, der um ein paar Minuten kürzer sein sollte – also etwas weniger als 3 (in Worten: DREI!) Stunden. Schnauf …!

Normalerweise freut man sich, wenn man wieder auf einen bekannten Weg stößt, aber als wir wieder vor der Schnellstraße standen, die Autos vorbeidonnerten und die Sonne wirklich langsam unterging, waren wir nun doch etwas besorgt, ob wir den Tag überleben würden. Nachdem die Strecke mehr als gefährlich aussah, quetschten wir uns hinter die Leitplanke und balancierten und hüpften von Stein zu Stein, von Büschel zu Büschel, bis wir endlich die neue Straße fanden, in die wir – natürlich NACH Überquerung der Schnellstraße – einbiegen sollten.

Unsere Freude währte nicht allzulange, denn die abschüssige kleine Schotterpiste mündete in einem Bächlein. Also die Straße führte in den Bach hinein und drüben ging sie weiter. Scheiße. Unsere lautstarken Flüche scheuchten einen jungen Mann auf, der sich gerade im Bach gewaschen hatte und der ziemlich erstaunt war, noch jemanden in der Pampa zu sehen.

Immerhin bestätigte er uns, dass es sich um den gesuchten Weg handelte und leider bestätigte er uns auch, dass wir durch den Bach waten mussten oder – er zeigte nach links – über einen behelfsmäßig über dem Bach aufgehängten Balken balancieren mussten. Ganz toll mit 3 Bier intus.

Karlheinz balancierte elfengleich über den Balken und ich zog meine Schuhe aus. Aber erst, nachdem mir der junge Mann versichert hatte, dass das Wasser sehr sauber war, da es direkt vom Berg kam. Phu … Gott sei Dank! Ich weiß auch nicht, warum ich bei freifließendem Gewässer im Süden immer gleich an Abwasser oder Müll denken muss.

Die letzten Kilometer bis zu unserem Stellplatz waren wir dann wieder recht wohlgemut und klopften uns gegenseitig auf die Schultern, was wir doch für Naturburschen und –burschinnen (äh –maderln) sind.

Hier gibts wieder ein paar Bilder zum Gucken. Übrigens haben wir hier eine einzige – total abgerissen aussehende – Musikerin auf der Straße gesehen, sie ist auch Poetin und spielt auf ihrer Bratsche Sonaten von Bach – aber in einer verrückten Geschwindigkeit!!!! Außergewöhnlich toll! Wir durften sie fotografieren.

4 Kommentare

  1. Manu

    Liebe Sonja, lieber Karlheinz,
    unendlich schoen, was ihr da schreibt und zeigt. Und das Schoenste ist, dass ihr das macht, wovon viele nur traeumen koennen: „making memories“! Ist doch wesentlich cooler und besser als „making money“.
    Wir wuenschen euch nur das Allerbeste und dass euch irgendwann endlich einmal ein Talentsucher entdeckt. Verdient haettet ihr das schon lange!
    Herzlichste Gruesse aus Kanada nach Spanien! 😉

    1. Sonja

      Liebe Manu,
      was für ein schöner Kommentar! Ganz toll, dass es unsere Beiträge sogar bis nach Kanada schaffen! Ja, Träume zu verwirklichen ist schon wichtig für uns. Meist sieht das Ergebnis lockerflockig aus, aber im Grunde besteht unser Leben aus nichts anderem, als genau dies zu planen und das Unmögliche möglich zu machen. Aber Kanada-Auswanderern müssen wir ja nichts von „Traum-Verwirklichung“ erzählen :).
      Ganz herzliche Grüße derzeit von der Costa Tropical nach Kanada!

  2. Erwin

    Respekt vor eurer Leistung! Das nächste Mal nehmt bitte eine Kopfbedeckung mit! Das ist echt wichtig! Tolle Bilder habt ihr geschossen! Die Analoge Nomadentour geht weiter! Freue mich schon auf die nächsten Geschichten! Bleibt gesund! Bis bald!

    1. Sonja

      Hallo Erwin,

      ja die Kopfbedeckung wurde (wenn auch spät) endlich erworben und ist neben der Wasserflasche der beste Begleiter. Wir erholen uns gerade auf einem Campingplatz in Nerja von den unglaublichen Abenteuern des Nomadentums und genießen Dusche und Strom 🙂

      Viele Grüße nach NEN!

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